Eine Reise zu den Menschen im Libanon

Spätestens da denken wir ans SMS vom ersten Tag: Spürt ihr den syrischen Krieg?

Montag, 27. März 2017
Der erste Blick vom Flughafen auf Beirut: eine Stadt mit vielen hohen Häusern. Beirut scheint zu boomen. Noch ist der Eindruck oberflächlich. Und schon das erste SMS aus der Schweiz: Spürt ihr was vom nahen, syrischen Krieg? Nein, tun wir gar nicht.

Dienstag, 28. März
Harissa – der wichtigste Ort für die Christinnen und Christen in diesem kleinen Land. Die Kirche gleich hinter der riesigen Marienstatue, die übers ganze Land blickt. Wallfahrtsort auch für Muslime. Überhaupt: die Mutter Gottes als grosse Einigende, weil sie für Muslime ebenso wichtig ist wie für Christen.

Mittwoch, 29. März
Unsere ersten Projektbesuche: am Vormittag bei «Mission de Vie». Eine junge Ordensgemeinschaft von Männern und Frauen. Plötzlich kommen die Novizen, um uns zu begrüssen: rund zwanzig junge Menschen, die sich für ein Leben und Engagement in dieser Gemeinschaft entschieden haben. «In Europa traut man sich nicht mehr, sich als Christin, als Christ zu zeigen, für uns ist das eine Selbstverständlichkeit», wird ein, zwei Tage später eine Schwester aus einer anderen Gemeinschaft sagen. Am Nachmittag geraten wir mitten ins armenische Quarter Bourj Hammoud in Beirut, wo Beit-el-Nour (Haus des Lichts) tätig ist. Neben vielen Armeniern leben hier sehr viele syrische Flüchtlinge – ein Zimmer in diesem Armenquartier kostet rund 400 US-Dollar. Mitten drin in diesem Quartier ein Ort, wo Mädchen entweder zur Schule gehen können oder bei ihren Hausaufgaben unterstützt werden – mehr noch: eine kleine Oase der Ruhe für all diese Menschen.

Donnerstag, 30. März
Der zweite Projekttag – diesmal in unserem Hotel. Am Morgen Sr. Pascale und Sr. Jocelyne mit Rachel und Charbel, zwei Jugendlichen, die in ihrem Orphelinat leben. Der eine ein Flüchtling aus Syrien, die andere aus einer libanesischen Familie, wo der Vater schwerkrank ist und darum nicht arbeiten kann. Ihr Zeugnis beeindruckt, mehr noch ihre Lebensfreude.
Am Nachmittag P. Louis Samaha aus Menjez ganz im Norden des Libanon. Drei Stunden Fahrt hin, drei Stunden zurück. «Von uns aus ist es rund 20 Minuten zu Fuss bis an die syrische Grenze», sagt er und zeigt uns sein Projekt einer Berufsschule für Jugendliche der Region, ebenso wie für syrische Flüchtlinge. Spätestens da denken wir ans SMS vom ersten Tag: Spürt ihr den syrischen Krieg? Ja, wir spüren ihn sehr nah – in den Menschen, denen wir begegnen. Die zum Teil selber aus Syrien sind, die sich dafür engagieren, dass Flüchtlinge ein einigermassen menschenwürdiges Leben leben können. Und wir spüren ihn als Schweizer und Schweizerinnen, die in einem Land leben, wo man schon sehr bald sagt (oder auch nur denkt), wir hätten genügend Flüchtlinge aufgenommen … ca. ein Drittel der im Libanon lebenden Menschen sind Flüchtlinge aus Syrien.

Freitag, 31. März
Wir besuchen den «Bruder Klaus des Libanon», den Hl. Charbel, der – ähnlich wie unser Landesheiliger – über eine lange Zeit einsam in einer Klause lebte und schon zu seinen Lebzeiten im 19. Jahrhundert von den Menschen verehrt wurde. Am Nachmittag fahren wir ans Mittelmeer nach Jbeil, in früherer Zeit Byblos, besichtigen dort die Ausgrabungen und geniessen ein wunderbares Nachtessen am Meer im Lichte der untergehenden Sonne.

Samstag, 1. April
Zwei Besuche stehen auch heute auf dem Programm: im Ordinariat der armenisch-katholischen Kirche in Beirut und bei den Schwestern im Kinderheim von Bzommar. Erneut intensive Begegnungen, die uns mit den Menschen im Libanon verbinden.

Sonntag, 2. April
Beirut – Flughafen. Verwirrt. So viele Eindrücke. Und klar: unsere Hilfe ist sehr, sehr wichtig, sehr nötig. Nicht nur unsere Hilfe, auch unsere Anteilnahme am Leben der Menschen im Libanon. Verwirrt und gleichzeitig klar, lassen wir die Küste der Levante hinter uns, nicht aber die Menschen, die dort leben.

Ludwig Spirig-Huber, Bern
+ Mehr dazu im nachfolgenden Film von Christoph Klein

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ADMA - In ihrem Haus betreibt die junge geistliche Gemeinschaft Mission de Vie unter anderem eine Palliativstation für Mittellose - ein im ganzen Libanon einmaliges Projekt. Eine Gruppe des Schweizerischen Heiliglandvereins war 2017 vor Ort.

Alte Menschen blühen auf - junge auch. Ein Film von Christoph Klein.

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JABBOULÉ - Unweit der syrischen Grenze, etwa 30 km nördlich von Baalbek, betreiben die Soeurs de Notre Dame ein Kinderheim mit einer Schule. Der Schweizerische Heiliglandverein unterstützt das Projekt und hat sich auf seiner Libanonreise sehr dafür interessiert.

Wo Liebe und Toleranz ein teures Gut sind. Ein Film von Christoph Klein.

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Karwochenopfer 2017

Christen im Heiligen Land – unsere Geschwister

Die Schweizer Bischöfe schreiben in ihrem Aufruf fürs diesjährige Karwochenopfer, mit dem auch Projekte des Schweizerischen Heiligland-Vereins wesentlich unterstützt werden: «Mit dem Karwochenopfer, zu dem der Schweizerische Heiligland-Verein und die Franziskanerkustodie seit vielen Jahren einladen, zeigen wir die tiefe Verbundenheit mit unsern Schwestern und Brüdern in den Ursprungsländern des Christentums. Wir rufen auch in dieser Karwoche die Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz zur Solidarität mit den orientalischen Christinnen und Christen auf. Wir wollen mit Spenden und Gebeten den einheimischen Kirchen und ihren Institutionen in ihren sozialen, pastoralen und katechetischen Tätigkeiten beistehen. Jede Spende ist willkommen!»
Weiter ermutigen sie zu Reisen in die Region des Nahen Ostens: «Wir möchten Sie ermutigen, auf Pilger- und Begegnungsreisen mit Ihren Pfarreiangehörigen und Gruppen die reichen Schätze der Ostkirchen kennenzulernen und bei Begegnungen mit unsern orientalischen Geschwistern Einsicht in ihre Lebenssituation zu gewinnen.»

Vermerk für Ihre Spende: Karwochenopfer 2017, Postkonto 90-393-0


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Wir helfen den Menschen
und den Kirchen in Israel,
Palästina, im Libanon, in
Syrien, Ägypten und Irak.

Wir heissen Sie herzlich willkommen auf der Homepage des Schweizerischen Heiligland-Vereins. Der Schweizerische Heiligland-Verein (SHLV) unterstützt vor allem in Israel, in Palästina, im Libanon, in Syrien, Ägypten und Irak gemeinnützige Projekte aus den Bereichen Bildung, Gesundheit und Sozialarbeit.

Die Mitgliederzeitschrift "Heiliges Land" orientiert viermal jährlich über diese Projektarbeit. In jedem Heft von Heiliges Land wird über ein besonderes Projekt eingehender informiert und dafür um Spenden gebeten; zudem informiert die Mitgliederzeitschrift regelmässig über Vorgänge und Entwicklungen im Nahen Osten.

Im Zusammenhang mit der Mitgliederversammlung im Herbst führt der SHLV jeweils noch eine Herbstaktion durch. Im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz bereitet der SHLV die jährliche Karwochenopfer in den römisch-katholischen Kirchen der Schweiz treuhänderisch vor und nach.

1901 als "Verein schweizerischer Jerusalempilger" gegründet, führt er Reisen durch, die den Teilnehmenden Begegnungen mit Menschen des Nahen Ostens ermöglichen und so zur Verständigung beitragen; er kann zudem Reisen mit dieser Zielsetzung unterstützen.

Ziel aller Aktivitäten ist, zur Verbesserung der Lebensbedingungen und Lebenschancen aller Menschen in den Ursprungsländern des Christentums und damit zum Frieden im Nahen Osten beizutragen. Als Verein auf christlicher Grundlage ist dem Schweizerischen Heiligland-Verein insbesondere am Religionsfrieden, das heisst am friedvollen Zusammenleben der jüdischen, christlichen und muslimischen Menschen in diesen Ländern gelegen.

Anlässlich der alljährlichen Generalversammlung des Schweizerischen Heiligland-Vereins drei Gäste aus Ägypten zugegen und berichteten eindrücklich über ein grosses Jesuitenprojekt in Mittelägypten. Der Heiliglandverein unterstützt es mit seiner Herbstaktion.