Projekte - Syrien

Syrien: Nächstenliebe und Lebensfreude

"Die Kirchen sind heute die einzigen Orte, wo allen geholfen wird, Christen und Muslimen." In Syrien herrscht seit bald sechs Jahren ein Krieg, der unglaubliches Leid und Zerstörung gebracht hat. Inzwischen werden 8 Millionen Männer, Frauen und Kinder als Binnenflüchtlinge gezählt. 4,5 Millionen Menschen leben in belagerten und schwer zugänglichen Gegenden. 1,5 Millionen Menschen wurden verletzt, 250 000 getötet.

Wir hören Berichte über Aleppo, das seit längerem stark umkämpft ist, dass hier "die Entscheidungsschlacht stattfinden" werde. Die Fronten der sich bekämpfenden Gruppierungen
verschieben sich ständig, dazwischen aufgerieben werden die dort lebenden Menschen. Die Lebenssituation ist extrem schwierig.

Homs hat das ebenfalls "durchgemacht", beginnt jetzt langsam wieder zu atmen. Damaskus ist Auffangstadt für Vertriebene aus dem ganzen Land. Der Hauran im Süden ist geteilt, "wie Beirut damals im Bürgerkrieg". Im Vallée des Chrétiens haben bereits 8000 christliche Familien Zuflucht gefunden, 3000 weitere Familien sind auf dem Weg dorthin.

Die Menschen haben Angst, sind erschöpft. Viele haben Syrien verlassen, andere suchen im Land Schutz für sich und ihre Angehörigen. Unzählige Familien sind auf Unterstützung angewiesen. Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) bietet, zusammen mit andern Organisationen, in mehreren Städten Unterstützung mit Notunterkünften, Feldküchen und Ambulatorien mit Medikamentenabgaben. Sie leisten kompetente Kinderund Jugendarbeit und fördern behinderte Kinder, bieten psychosoziale Hilfe für Kinder und Erwachsene an und unterstützen Frauengruppen und Studierende.

Letztes Jahr halfen wir mit, dass im Hauran Saatgut und Dünger gekauft und die Felder wieder bestellt werden konnten. Wir unterstützten den Kauf von Heizöl, denn die Winter sind kalt, wir überwiesen Gelder für Nothilfe, damit Lebensmittel, Artikel des täglichen Lebens, Medikamente, Kleider gekauft oder Unterkünfte bezahlt werden konnten. All dies konnten wir dank Spenden, Ihren Spenden, leisten.

Der Krieg in Syrien dauert an. Wir wollen unsere Projektpartner nicht alleine lassen, sie brauchen weiterhin unsere Unterstützung.
Danke, dass Sie uns unterstützen.

Spendenvermerk: Helfen mit Herz - für Syrien


Syrien: Landwirtschaft im Hauran

Das Erzbistum Bosra, Hauran und Jabal al-Arab ist das ärmste im ganzen Patriarchat. Es gibt immer mehr Arbeitslose. Verarmte Familien klopfen an die Tür des Bischofshauses und bitten um Geld für ihre Kinder und ihren Lebensunterhalt. Junge Familien verlassen das Land; allein aus Khabab sind bereits 400 in den Libanon oder die Türkei weggezogen. Die Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen ist prekär.

Fruchtbares Land
Auf den rund 300 Hektaren Land des Erzbistums könnten Weizen und Hafer angebaut und Kichererbsen geerntet werden. Falls das Klima mitspielt und die Regierungstruppen und Rebellen es erlauben. Der Herbst (Ende November bis Anfang Januar) ist die beste Jahreszeit, um die Erde auf die Saat vorzubereiten. Seit zwei Jahren bleiben die Böden trocken. Dies verschlimmert die finanzielle Lage, denn die Erträge aus der Landwirtschaft werden dringend gebraucht. Vor kurzem konnte ein neuer Brunnen gebohrt werden, als Ersatz für einen zerstörten. Die zwei Brunnen mit Pumpen laufen nicht, da kein Strom vorhanden ist.

Ernteausfall und Rebellen
Die Erntezeit beginnt normalerweise Anfang Juni, der Ertrag wird zu einem fixen Preis an staatliche Händler verkauft. Für die Arbeiten werden Leute aus der ganzen Umgebung engagiert, auch Beduinen. Ein Tagelöhner erhält pro Tag 1200 L.S., eine Tagesverpflegung kostet 500 L.S. Ein Liter Treibstoff kostet 150 L.S. Es sind zwei Traktoren im Einsatz, für die sie jedoch dringend Ersatzteile brauchen. Der Minibus für den Personentransport wurde von den Rebellen beschlagnahmt.

Alte Bäume müssen ersetzt werden
Es gibt einige Fruchtbäume, die Reben und Olivenbäume sollten ersetzt werden. Auch Gemüse könnte gezogen werden, wenn es die Sicherheitslage erlauben würde. Denn die bleibt schwierig, man muss aufmerksam die Bewegungen der Kriegsparteien beobachten. Oft sind Granaten zu hören, und dann müssen sich alle sofort in Sicherheit bringen.

Steigende Preise
Die Preise steigen ständig, das syrische Pfund hat stark an Wert verloren. Für einen Dollar gibt es momentan 275 syrische Pfund (L.S.), für einen Euro 305. Ein Sack Saatgut (50 kg) für Weizen oder Hafer kostet zwischen 70 und 80 L.S., ein Kilo Kichererbsen 125 L.S. Eine Tonne Dünger kostet je nach Zusammensetzung 60 000 bis 100 000 L.S. Wir möchten mithelfen, dass die Felder im Hauran wieder bestellt werden können. Wir können den Menschen keine Sicherheit geben, aber die finanziellen Mittel, damit sie Saatgut, Dünger usw. kaufen und die Arbeiter bezahlen können.

Spendenvermerk: Landwirtschaft im Hauran


Syrien: Alltag im Krieg – über Verlust und Hoffnung

Der melkitische Bischof Jean-Clément Jeanbart schreibt: "Ich komme gerade von einer Amerika-Reise. In Aleppo erwartete mich der grosse Schock. Der Bischofssitz ist zerstört, die Kathedrale stark beschädigt! Die Gebäude wurden vor über 200 Jahren errichtet und erst vor wenigen Jahren renoviert. Ich kann Ihnen meinen Schmerz und meine Trauer ob dieser Katastrophe nicht beschreiben. Ich bin nur froh, dass alle meine Priester unverletzt und in Sicherheit sind.

 

Der Angriff der Rebellen fand einen Tag nach der Gedenkfeier zum Genozid an den Armeniern statt. Ein Bombenhagel ging auf unsern Stadtteil nieder, in dem viele Christen leben und zahlreiche Kirchen stehen. Seit zwei Wochen sind meine Priester und Mitarbeitenden daran, möglichst viel aus den Trümmern zu bergen. Ich kümmere mich um die Archive, die Ikonen, Manuskripte, um alles, was wertvoll, wichtig und unersetzbar ist. Seit zwei Tagen versuche ich, zu Atem zu kommen und stark zu sein, damit ich den Menschen um mich herum Mut zusprechen kann. Doch Sie verstehen bestimmt, dass ich unter diesen Umständen nicht so funktioniere, wie ich eigentlich sollte. Ich gebe mein Bestes, um für die Priester und die Gläubigen da zu sein; ich spüre, dass sie mehr denn je Nähe und Schutz brauchen.

Meine Räume sind kaputt, das Sekretariat ausser Betrieb, die Verwaltungs- und Büroarbeiten funktionieren nur mangelhaft. Also muss ich dringend neue Büros finden, meine Dossiers wieder herstellen und mich so rasch wie möglich organisieren. Die Situation ist schwierig und verlangt von uns allen grosse Flexibilität."

Und dann beschreibt er noch den momentanen Alltag. "Am letzten Sonntagmorgen habe ich eine Trauerfeier für einen Mitarbeiter gehalten. Ein Märtyrer mehr. Am Nachmittag habe ich an einer Gedenkfeier an einer unserer Schulen teilgenommen. Der Herr hat mir geholfen, tröstende Worte für die verwundeten Herzen zu finden und ihnen Mut zuzusprechen. Heute Abend besuchen wir ein Konzert mit byzantinischen Gesängen. Hoffentlich gibt es nicht wieder Angriffe, wie wir sie seit Ostern immer wieder erleben.

Wir bezahlen unsere Anwesenheit in unserem geliebten Land sehr teuer. Doch wir wissen auch, dass, wenn denn Frieden einkehrt und die Freiheit gewonnen ist, die Zukunft für die jüngeren Generationen besser sein wird. Doch bis dahin fallen weiterhin jeden Tag Bomben vom Himmel.

Wir wissen nicht, wann dieser so sehr erhoffte Frieden kommen wird. Darum bitten wir den Herrn, denn seine Liebe und Barmherzigkeit sind unaussprechlich gross. Bitte beten Sie mit uns – Ihre Gebete sind uns eine grosse Unterstützung." Die Situation in diesem schwer geprüften Land ist katastrophal, die Nachrichten deprimierend. Trotz allem halten die Menschen zusammen, kämpfen ums Überleben, ihre Heimat, ihr Erbe und ihre Zukunft. Wir dürfen sie nicht alleine lassen. Zeigen wir ihnen unsere ungebrochene Solidarität, indem wir sie finanziell, mit unsern Gedanken und im Gebet unterstützen.

Spendenvermerk: Solidarität für Aleppo


Syrien: Hoffnung für die Kinder von Homs

Homs ist die drittgrösste Stadt in Syrien und hat eine Million Einwohner. Das "Centre Al-Mukhales" (Saint-Sauveur) wurde von den Jesuiten als Katechismus-Zentrum gegründet und wird von den Schwestern vom Heiligen Kreuz geführt. Es liegt in Al-Adwya nahe beim Stadtzentrum und ist die einzige verbliebene von vorher fünf Einrichtungen.



Anfang 2011, im Zuge des Arabischen Frühlings, brach in Syrien ein blutiger Konflikt aus: inmitten der Zivilbevölkerung bekämpfen sich seither zwei gegnerische Parteien. Dieser Konflikt hat das Leben aller durcheinandergebracht. Homs war während des erstens Jahres am stärksten von den Kampfhandlungen und Bombardierungen betroffen, und sie dauern an. Gegen 70 Prozent der Bevölkerung flohen aus Homs, und die meisten Schulen wurden geschlossen. 



So entstand der Wunsch, den Kindern von Homs, die darum baten, weiterhin Schulunterricht zu geben und ihnen dabei den Gedanken von Frieden und Versöhnung nahezubringen. Im April 2012 wurde das «Centre Al-Mukhales» zu einem Ort der Bildung und der psychosozialen Unterstützung. Anfangs kamen nur einige Jugendliche aus dem Quartier, aber dann wirkte die Mundpropaganda. Mit Unterstützung des Flüchtlingshilfsdienstes der Jesuiten (JRS) startete das Pilotprojekt mit 100 Kindern, kurz danach bereits mit 400 - und das inmitten einer Kampfzone. Inzwischen gibt es elf eigene oder unterstützte Zentren in Homs und den umliegenden Dörfern, die insgesamt 3500 Kinder betreuen. 





Aus der Arbeit mit den Kindern heraus entstand die materielle Hilfe für Familien. Es werden Nahrungsmittelpakete verteilt, warme Kleider, Medikamente für Vertriebene und die Menschen aus den Quartieren. Momentan unterstützt der JRS jeden Monat mehr als 3000 Familien alleine in der Region von Homs. Dies dank einer Gruppe von 50 Freiwilligen und Angestellten, die Familien besuchen und ihre Bedürfnisse festhalten, Nahrungsmittel und Waren einkaufen und die Verteilung an die Bedürftigen sicherstellen. Auch die Bildungseinrichtungen erhalten Nahrungsmittel, Kleider für die Kinder, Schulmöbel und was sie sonst noch brauchen. 



Die von Anfang an wichtigste Frage war, was den Kindern vermittelt werden sollte. Zu Beginn fand der klassische Schulunterricht statt, doch dieser wurde sehr schnell mit dem "Lebensunterricht" ergänzt, bei dem mittels Gesang, Theater oder Marionettenspielen den Kindern Nächstenliebe und Respekt vor dem andern nähergebracht werden. Diese Aktivitäten gingen auch während der Angriffe weiter. Gab es Beschiessungen, wechselten die Verantwortlichen mit den Kindern in den Keller, drehten die Musik auf, sangen und tanzten mit ihnen. 





Vor dem Konflikt führten die Jesuiten zwei Heime für behinderte Kinder. Beide wurden zerstört. Doch sie gaben nicht auf und betreuen heute erneut 35 junge geistig Behinderte, die zusammen mit den andern Schülerinnen und Schülern in einer schönen und friedlichen Atmosphäre leben. 



Viele junge Menschen haben ihre Arbeit verloren. Sie zu beschäftigen heisst, ihren Geist wach zu halten, ihnen ein Leben in Würde und ein Einkommen zu geben und damit ihre Familien zu unterstützen. Es sind mehr als 200 junge Männer und Frauen beschäftigt, aus allen Schichten und Glaubensrichtungen. Sie haben verschiedene Aufgaben und jede(r) erhält Ende des Monats einen Lohn. 



Dank diesem Projekt sind zahlreiche Flüchtlinge zurückgekehrt. In einigen Familien haben sich die Diskussionen verändert, Familienväter sagen: "Ihr macht das, was wir nicht zu machen wussten". Bei einem Schulfest zwei Monate nach Einführung des Unterrichts kamen alle Familien zusammen: Schiiten, Sunniten, Alawiten, Christen, um ein paar trockene Biskuits zu teilen. Es war ein einfacher Anlass, doch es war das erste Mal, dass die Menschen miteinander sprachen. Dieses Projekt ist ein Zeichen der Hoffnung in einer Stadt, die Frieden und Sicherheit sucht und davon träumt, eines Tages voller Liebe für sich und andere da zu sein.



P. Ziad Hilal SJ schreibt über die letzten paar Wochen: "Homs ist nicht mehr sicher. In den letzten zwei Monaten hat sich die Situation in unserer Stadt stark verändert, sie kommt nicht mehr zur Ruhe. Anfangs Juni explodierte eine Bombe wenige Meter vom Eingangstor unseres Zentrums entfernt, es gab in der Nachbarschaft Tote und zahlreiche Verletzte. Etwas später schlugen in der Nähe Granaten ein und anfangs Juli gingen in der Einkaufsstrasse Autobomben hoch. Die Altstadt wird weiterhin belagert, und es wird gekämpft. Die Zerstörung ist unbeschreiblich gross. Niemand kommt mehr rein, niemand kann mehr Hilfe bringen, auch das Rote Kreuz ist gescheitert. Wir fühlen uns ohnmächtig; alles, was wir tun können, ist, den Kontakt zu halten und allen Mut und Geduld zuzusprechen. 



Die humanitäre Arbeit geht trotzdem weiter. In den letzten zwei Monaten konnten mehr als 5000 Familien mit Lebensmitteln und anderem mehr versorgt werden.





Die Kinder zeichnen ihre Heimat wie sie in Zukunft aussehen könnte oder sollte. Träumen bedeutet Hoffnung haben, und dies drücken sie auch durch Theater, Gesang und Handarbeiten aus. Die Kinder überwinden die Gewalt der Erwachsenen und gestalten ein leuchtendes Morgen. Ein Grundvertrauen, nach dem sich die Erwachsenen zurücksehnen."

Spendenvermerk: Hoffnung für die Kinder von Homs
 


Syrien: Ausbildung von Krankenschwestern – trotz allem

Nahostreisende ringen schon mal um Fassung, wenn sie von ihren Reiseerlebnissen in Syrien erzählen, sich an Begegnungen erinnern, Fotos oder Filme anschauen. Die Bilder und Berichte, die uns seit drei langen Jahren erreichen, sind einfach unerträglich.

Aleppo war vor dem fürchterlichen Konflikt eine pulsierende Metropole. Die Stadt mit Vororten hatte 2010 rund 2,5 Millionen Einwohner. Sie war damit nach Damaskus die zweitgrösste Stadt des Landes. Aleppo ist eine der ältesten Städte in der Region und liegt strategisch wichtig zwischen Mittelmeer und Euphrat. Sie war bekannt für einen sehr alten, wunderschönen Souk, für filigrane Baukunst, ausgezeichnete Seifen und feine Stickereien, für vielfältige Handwerkskunst, gutes Essen und Gastfreundschaft. Inzwischen sind in der Stadt zahlreiche Fabriken, Betriebe und Verwaltungen, aber auch Kirchen, Moscheen und soziale Einrichtungen zerstört.

Der melkitische Erzbischof Jean-Clément Jeanbart ist dankbar, dass die meisten "seiner" Schulen und Berufsschulen weiterhin geöffnet sind, darunter auch die Schwesternschule.

Es fehlen Krankenschwestern
Aleppo brauchte dringend mehr Krankenschwestern. Denn es gab in der Stadt lediglich eine öffentliche Schwesternschule für 600 Auszubildende. So startete im Sommer 2009 die "Ecole infirmière" (IFSI = Institut de Formation aux Soins Infirmièrs). Für den Unterricht konnten ausgezeichnete Fachleute (Mediziner, Apotheker usw.) gewonnen werden, die den 60 Schülerinnen ein breites und fundiertes Berufswissen vermitteln. Die Ausbildung ist staatlich anerkannt.

Momentan besuchen, trotz der schwierigen Umstände, 36 Personen den Unterricht. Sie sind nicht nur motiviert, sondern wissen auch um die Wichtigkeit und Notwendigkeit ihrer Ausbildung, gerade jetzt, aber auch für die Zukunft. Auch die Lehrpersonen sind weiterhin bereit, die Unterrichtsmodule in der gewohnten Qualität durchzuführen. Die Schulleitung selber ist stark besorgt, da die finanzielle Situation besorgniserregend aussieht. Gemäss Budgetplanung hätte die Schule nach vier Jahren selbsttragend funktionieren sollen. Erzbischof Jeanbart kann und will die Schwesternschule nicht schliessen. Auf der einen Seite sind die motivierten Schülerinnen und engagierten Ausbildner, die trotz Sicherheitsrisiko weiterhin kommen, auf der andern Seite sieht er den dringenden Bedarf an Pflegepersonal. Deshalb gelangt er an uns mit der Bitte um Hilfe bei der Überbrückung dieses finanziellen Engpasses.

Denn eigentlich hat er noch genügend andere Sorgen: regelmässige Lebensmittelpakete für 1500 in Pfarreizentren untergebrachte Familien, finanzielle Unterstützung von weiteren 400 Familien ohne Einkommen, Dispensarien, Unterbringung von rund 100 vertriebenen Familien (hauptsächlich Muslime) und Schulgebühren für Kinder und Studierende.

Spendenvermerk: Krankenschwestern für Aleppo


Syrien: Ersthilfe für Binnenflüchtlinge

Ich bin Zeuge der Heimatlosigkeit … Kinder als Fremde in ihrer eigenen Heimat, fern von ihren Häusern und Gemeinden … Ich bin Zeuge der Verzweiflung … alte Menschen, Behinderte, Kranke, die um Medizin und ärztliche Verpflegung betteln müssen … Ich bin Zeuge des Verlustes … Häuser, Geschäfte, Arbeitsplätze, alles was im Laufe der Jahre mit Schweiss und Aufopferung aufgebaut wurde … Ich bin Zeuge der Zerstörung … mein eigenes Wohnquartier, wo so viele Träume gebaut wurden und nun nur noch Erinnerungen stehen …

Diese Zeilen stammen von Samer Laham, Direktor des DERD (Department of Ecumenical Relations and Development). Ich war sehr berührt, als ich seine E-Mail las. 15 Monate sind nun seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vergangen. Die Internationale Gemeinschaft versucht noch immer, eine Lösung zur Befriedung und Stabilität des Landes zu finden. Inzwischen sind unzählige Menschen davon betroffen: Kinder und Jugendliche, alte und behinderte Menschen, Frauen und Männer. Sie sind zu Binnenflüchtlingen geworden, abhängig von der Unterstützung lokaler Wohlfahrtsverbände und Hilfswerke.



DERD hat seine personellen und finanziellen Ressourcen mobilisiert, um die Bedürfnisse dieser Menschen zu erfahren und somit effektive Hilfe anbieten zu können. Ihre Hilfeleistung erfolgt einerseits durch Soforthilfe für Binnenflüchtlinge und Familien ohne Einkommen, anderseits mittels längerfristiger Unterstützung für medizinische und psychologische Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, auch in Kindergärten und Schulen, Mitfinanzierung bei der Wiederherstellung von beschädigten Schulen, Häusern und Kirchen.

So braucht Samer Laham dringend für neuankommende Flüchtlinge, die erstmal in einer Schule untergebracht sind und auf dem nackten Boden schlafen, Schaumstoffmatratzen und Bettzeug. Ein solches Set kostet umgerechnet 35 USDollar – eine grosse Hilfe in der gegenwärtigen Lage, wo Menschen die Nächte Kopf an Kopf verbringen müssen.

Spendenvermerk: Ersthilfe für Binnenflüchtlinge


Damaskus: Syrien braucht Hilfe

Die tragischen Ereignisse in Syrien beschäftigen uns alle. Der Alltag der dort lebenden Menschen ist geprägt von Angst und zunehmender Gewalt. Ihre Zukunft scheint ungewiss, ein Ende der schwierigen Situation ist nicht in Sicht. Die Not der Bevölkerung wächst, nicht nur in den uns aus den Medien bekannten Gebieten.



Motiviert durch die pastorale Verantwortung haben der griechisch-katholisch melkitische Patriarch Gregorios III. Laham und der griechisch-orthodoxe Patriarch Ignatius IV. Hazim ein Hilfskomitee gegründet, um "unsern Brüdern und Schwestern in der Not zu helfen, ohne Unterschied zwischen Moslems und Christen."

Zahlreiche Menschen mussten bereits ihre Häuser, ihre Dörfer und Städte verlassen. In Damaskus, aber auch in andern Orten, fanden sie Zuflucht in Klöstern und andern kirchlichen Gebäuden. Die Liste mit den Namen bedürftiger Familien wächst täglich, der Informationsaustausch der Priester und Laien ermöglicht jedoch eine rasche und effektive Hilfe. Es werden, je nach Bedarf, Hilfspakete mit Nahrungsmitteln, Milch, Decken usw. im Wert von USD 50 verteilt. Zum Zeitpunkt des Hilferufes waren es bereits über 2000 solcher Pakete.

Mit der "Assaf Family Charitable Charitable Fondation" leistet Patriarch Gregorios III. bereits seit Jahren in den Vororten von Damaskus wertvolle Hilfe. Volontärinnen führen eine Gassenküche, bieten medizinische Grundversorgung an und betreuen Kinder und Jugendliche.

Spendenvermerk: Nothilfe für Syrien
 


Syrien: Armenische Schule "Zvartnotz" in Aleppo

Das Armenische Volk hat in Syrien eine lange Geschichte. Doch die meisten Armenier sind während des Völkermordes durch das Ottomanische Reich, vor allem begangen in der Syrischen Wüste "Deir ez-Zor" im Euphrat-Tal, ins Land gekommen. Rund 1,5 Millionen Armenier wurden damals getötet, und mehrere hunderttausend Menschen flohen aus dem historischen Armenien. Die einheimische arabische Bevölkerung stand den verfolgten Armeniern zur Seite, und so entstand ein gutes Verhältnis zwischen den beiden Völkern.



Viele Armenier in Aleppo

Die meisten syrischen Armenier leben in Aleppo, während die Hauptstadt Damaskus eine kleinere Gemeinde hat. Der erste offizielle armenisch-katholische Prälat in Aleppo war Bischof Abraham Ardzivian (1710–1740). Die armenisch-katholische Gemeinschaft in Aleppo zählt rund 15 000 Gläubige.

Die "Zvartnotz"-Schule
Die "Zvartnotz"-Schule (arabisch "Sayedet Al Farah"-school) ist seit Anfang der 1970er-Jahre eine wichtige Institution für die armenische Gemeinschaft, denn sie trägt dazu bei, dass auch die jüngeren Generationen ihre Wurzeln kennen lernen und damit Kultur und Sprache bewahrt werden.

1967 wurden von der sozialistischen syrischen Regierung jene katholischen Schulen beschlagnahmt, die sich weigerten, den neuen Lehrplan anzunehmen, der anstelle von Französisch die Einführung der arabischen Sprache vorsah. Das Generalsekretariat der katholischen Schulen lehnte diesen Lehrplan als nicht konform mit ihrem Bildungsauftrag ab. Als Folge verschwanden die meisten katholischen Schulen. Einzig die armenische Schule akzeptierte den staatlichen Lehrplan und konnte somit gerettet werden. Heute erlaubt die syrische Regierung in den armenischen Schulen den Unterricht der armenischen Sprache und der Kultur als Zusatzaktivität.

400 Schülerinnen und Schüler
Drei Schwestern aus einem Armenischen Orden und dreissig Lehrpersonen kümmern sich in der "Zvartnotz"-Schule um 400 Schülerinnen und Schüler (Vorkindergarten bis 9. Schuljahr). Die Hälfte der Kinder und Jugendlichen stammt aus Familien mit niedrigem Einkommen. Die jährlichen Schulgebühren betragen 500 Dollar, darin sind auch die Kosten für Bücher und Schuluniform enthalten.

Um die fehlenden Einnahmen zu decken, organisiert die Schulleitung verschiedene Anlässe (Konzerte, Theater, armenische Abendveranstaltungen für Familien) oder sammelt Spenden bei besser situierten Familien. Deshalb kann sich die Schule über Wasser halten und weist eine ausgeglichene Jahresrechnung aus.

Für das Schuljahr 2011/2012 stellt die syrische Regierung neue Auflagen für den Betrieb des Schulunterrichts. So muss die Schule unter anderem neu über Computer und einen Projektor verfügen. Seit Gründung der Armenischen Schule im Jahre 1973 wurden keine grösseren Renovationen und Investitionen vorgenommen. Doch jetzt benötigt sie für die zwölf Klassenräume wirklich neue Pulte und Stühle.



Antrag der Pontifical Mission
Die Pontifical Mission in Beirut hat uns im Namen der Schule den Antrag gestellt, fünf der Schulzimmer mit 150 Pulten und Stühlen und je einem Computer auszustatten, dazu den Projektor für die Schule. Die Gesamtkosten betragen 15 000 Dollar.

Schwere innenpolitische Krise
Syrien befindet sich in einer innenpolitischen Krise. Waren die Proteste anfangs Februar noch durch Facebook geprägt und organisiert, entstand Mitte März im weitgehend konservativ-sunnitischen Brennpunkt Daraa eine gesichtslose Opposition. Von dort aus verbreiteten sich die Demonstrationen in den kurdischen Nordosten, in die Küstenstadt Latakia und die sunnitischen Hochburgen Hama und Homs, nach Aleppo und in die Vororte von Damaskus. Die Regierung verkündete einerseits Reformen, griff anderseits mit eiserner Faust durch und verhaftete Hunderte von Männern. Dabei scheuen sie auch nicht davor zurück, Wasser und Strom abzuschalten, um die rebellischen Gebiete kontrollieren zu können. Berichte aus Syrien können derzeit nicht unabhängig überprüft werden. Analysten warnen, dass die jüngsten Ereignisse auch die Wirtschaft des Landes verändern werden, dass der Tourismus und das Finanzwesen gefährdet sind und die für das Wirtschaftswachstum notwendigen ausländischen Investitionen zurückgehen könnten.

Zurückhaltende Kirchen
Die anhaltenden Turbulenzen bedeuten für die Christen in Syrien eine ungewisse Zukunft; auch für Hundertausende von assyrisch-chaldäischen Flüchtlingen aus dem Irak, die tief besorgt sind, dass sie darunter leiden würden, wenn das Regime fallen sollte. Aus Angst vor einer Verschlimmerung der Lage verhalten sich die Kirchen still inmitten der Proteste gegen die Regierung.

Liebe Spenderinnen und Spender, wir hätten Ihnen gerne einige Fotos von der Armenischen Schule "Zvartnotz" gezeigt. Leider ist ein Austausch aufgrund der aktuellen Situation nicht möglich. Wir bitten Sie gleichwohl um Unterstützung dieses Projekts. Die Schülerinnen und Schüler danken Ihnen ganz herzlich.


Shahba: Foyer für junge Frauen - Ausbildung in Südsyrien

Der Schweizerische Heiligland-Verein (SHLV) unterstützt seit vielen Jahren die Eparchie von Bosra, Hauran und Jabal al Arab. Wir kennen Bischof Boulos (Paul) Borkhoche persönlich von unseren Besuchen und arbeiten gerne mit ihm zusammen.

Bosra ist eine antike Stadt in der Landschaft Hauran der heutigen Provinz Dar’a. Sie gehörte seit dem 2. Jahrhundert v.Ch. zum Reich der Nabatäer und war von 70 bis 106 n.Ch. ihre Hauptstadt. In arabischer und mameluckischer Zeit wurde Bosra Provinzhauptstadt. Ab dem 11. Jahrhundert baute man das römische Theater in eine Zitadelle mit Palastbauten aus. Die Altstadt von Bosra wurde 1980 in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Eine Besichtigung der Ruinenstadt und der hier erhaltenen antiken Bauwerke aus dunklem Basaltstein ist ein Muss für jeden Syrienreisenden.

In der Vulkanebene des Hauran, südlich von Damaskus, fehlt eine nachhaltige wirtschaftliche Perspektive. Die damit zusammenhängenden Probleme sind im ländlichen Syrien nur allzu bekannt: eine unzureichende Wasserversorgung, Mangel an moderner landwirtschaftlicher Ausrüstung und eine begrenzte Auswahl von Getreidesorten, die auf dem üppigen vulkanischen Boden, aber zugleich bei dem rauen Klima der Region gedeihen können. Erzbischof Boulos Borkhoche leitet seit 1983 die Eparchie von Bosra, Hauran und Jabal al Arab, das ärmste Bistum in der griechisch-katholisch melkitischen Kirche. Der bald 77-Jährige gehört dem Orden der Missionare vom Hl. Paulus mit Sitz in Harissa, Libanon an. Er glaubt, dass die Entwicklung der Landwirtschaft der Schlüssel zur Belebung der Wirtschaft sei. Der armen Region mangelt es an Wasser. So lässt er Brunnen bohren, sodass Mais, Weizen, Oliven, Trauben, Tomaten, Gurken und Zucchini bewässert werden können, vor allem aber auch Karotten, welche sogar exportiert werden. Unter dem Erzbischof sind auch mehr als 800 Apfel- und Olivenbäume gepflanzt worden, die nur wenig Wasser benötigen. Dies ist umso wichtiger, als es in den letzten Jahren nicht mehr viel geregnet hat. Der "grüne Bischof" unterstützt aber auch die Armen und versorgt die Bedürftigen mit Medikamenten.

Der Schweizerische Heiligland-Verein (SHLV) unterstützt seit vielen Jahren die Eparchie von Bosra, Hauran und Jabal al Arab. Wir kennen Bischof Boulos (Paul) Borkhoche persönlich von unseren Besuchen und arbeiten gerne mit ihm zusammen.


Einmal vertraute er uns schmunzelnd an, "dass die göttliche Vorsehung wollte, dass ich der Diener der armen Gläubigen der ärmsten Eparchie der Ostkirche sein darf".

Foyer für junge Frauen
Der SHLV hat in Shahba den Bau des Pfarreizentrums ermöglicht. Das Haus ist nun in Betrieb und offen für verschiedenste Belange. Es hat darin einen Pfarreisaal, ein Katechetisches Zentrum, eine Schneiderei mit Coiffeursalon für junge Frauen, eine Wohnung für den Seelsorger und seine Familie und ein Besuchszimmer. Dazu kommen Büros und Archive für die Administration der Diözese. Die Räume werden genutzt von Jugendgruppen und von Schulkindern für ihre Sommer-Feriencamps, für Sport und Ausflüge, dann auch für die Erwachsenenbildung sowie für Feste und Essen (Taufe, Erstkommunion, Hochzeit, Familientreffen, Beerdigungen).

Nun hat unser GV-Gast von den Behörden die Genehmigung erhalten, dieses Pfarreizentrum um eine Etage aufzustocken. Er möchte ein Foyer für junge Frauen, vor allem Studentinnen und Krankenschwestern, errichten. Die meisten dieser Mädchen und jungen Frauen kommen aus Dörfern. Die Verkehrs-Infrastruktur ist bescheiden, und sie haben zum Teil lange und vor allem im Winter äusserst beschwerliche Anfahrtswege. Das Wohnen im Foyer ermöglicht ihnen ein sicheres Studieren und Wohnen ausserhalb ihrer Familien. Es gibt ihnen Schutz und Geborgenheit, zudem finden sie darin Gemeinschaft und ein Zuhause. In den arabischen Familien leben Mädchen und Frauen traditionell in einem behüteten Rahmen. Deshalb ist den Frauen ohne eine sichere Unterbringungsmöglichkeit bei Familienangehörigen oder eben in einem Foyer ein auswärtiges Studium oder eine Ausbildung fast nicht möglich, auch das Arbeiten wird erschwert.

Das Foyer bietet Unterkunft für 25 Frauen. Die Mehrbetten-Zimmer werden einfach, aber praktisch möbliert mit Wandschrank, Tisch und Dusche/WC. In der Gemeinschaftsküche können sie sich selber verpflegen, dazu gibt es einen Wohn- und Aufenthaltsraum. Zur alleinigen Benützung der Frauen wird ein Lift eingebaut, sodass sie sich von unerwünschten Besuchen sicher wissen.

Die Kosten für die Aufstockung des Pfarreizentrums in Shahba belaufen sich auf Euro 91’580. Wir freuen uns, dieses Bauvorhaben unterstützen zu dürfen. Damit tragen wir bei, dass mehr junge Frauen eine Ausbildung oder ein Studium machen und auch arbeiten können. Erzbischof Boulos Borkhoche ist dies ein grosses Anliegen.

Die jungen Frauen und ihre Familien, aber auch wir danken Ihnen ganz herzlich für Ihre Unterstützung unserer Herbstaktion 2009.

Spendenvermerk: Shahba - Foyer für junge Frauen