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Das «Holy Child Program» vermittelt Kindern in Palästina Halt

Luzern/Beit Sahour, 2.1.17 (kath.ch) Bethlehem ist eine Stadt, die unter dem anhaltenden Konflikt zwischen Israel und Palästina leidet. Konkret sind es immer Menschen, die leiden. Das vom schweizerischen Heiligland-Verein unterstützte «Holy Child Program» in Beit Sahour kümmert sich um traumatisierte Kinder und Jugendliche und begleitet palästinensische Familien.


Martin Spilker

Bethlehem ist von einer Mauer durchschnitten, die als nicht zu übersehende Grenze zwischen Israel und Palästina errichtet wurde. Die Angst vor dem Wiederaufflammen bewaffneter Konflikte und die Unsicherheit eines seit Jahren anhaltenden politischen Konflikts prägen an diesen Orten den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner.

90 Prozent finden feste Grundlage

In der mit Bethlehem zusammengewachsenen Stadt Beit Sahour bietet eine 1995 gegründete Schule franziskanischer Schwestern verhaltensauffälligen oder traumatisierten Kindern und Jugendlichen Ausbildung und eine Tagesstruktur. Auf einer Reise des Heiligland-Vereins erhielten die Besucher Einblick in das «Holy Child Program». Sie sind zwischen 4 und 12 Jahre alt, wenn sie in die Schule eintreten. Maximal drei Jahre können sie hier verbringen.

In dieser Zeit gelinge es zu 90 Prozent, den Kindern und Jugendlichen eine feste Grundlage vermittelt zu haben, so dass sie wieder in die Normalschule zurückkehren können oder in einer anderen sozialen Einrichtung einen Anschluss finden, erläuterte der Direktor Iskander Khoury. Er weist darauf hin, dass für die 30 zur Verfügung stehenden Plätze ein anspruchsvolles Aufnahmeverfahren gilt. Denn: Wer ins «Holy Child Program» aufgenommen wird, soll drei Jahre bleiben können und Halt finden. Finanziert wird das Angebot durch Spenden, das Netzwerk der Schwesterngemeinschaft und, soweit möglich, Beiträge der Eltern.

Eine Schule für Christen und Muslime

Die Gründerin, Schwester Rose Mesa von der Gemeinschaft der «Franziskanerinnen von der Eucharistie», hat der Einrichtung eine franziskanische Lebensform gegeben: Kinder und Lehrpersonen verbringen den ganzen Tag miteinander. Am Morgen werden ein Gebet gesprochen und religiöse Lieder gesungen, von den muslimischen Schülerinnen und Schülern wie von den Christen. Umgekehrt besuchen alle Kinder und Jugendlichen auch den muslimischen Religionsunterricht, der genauso auf dem Lehrprogramm steht wie der christliche.

Missioniert wird aber nicht, betont der Direktor. Vielmehr versteht sich die Organisation als «Botschaft des internationalen Zusammenlebens», wie es Iskander Khoury nennt. Neben dem Christentum und Islam wird den Kindern auch der jüdische Glaube nahegebracht. Die Schule will die heutige Gesellschaft in der Region abbilden und das Miteinander vorleben.

Individuelle Lernprogramme

Die Ausbildung im «Holy Child Program» wird in der altersmässig stark gemischten Gemeinschaft ganz individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder und Jugendlichen ausgerichtet.  Vor gut einem Jahr verbrachte die Schweizer Theologin Monika Schmid zwei Monate in Palästina und engagierte sich in dieser Zeit auch im «Holy Child Program». Sie zeigte sich im Gespräch mit kath.ch beeindruckt von der liebevollen Betreuung und der Zusammenarbeit der christlichen und muslimischen Fachkräfte.

Beim Unterricht für die teils lernbehinderten Kinder wird grosser Wert auf musische und handwerkliche Betätigung gelegt. Monika Schmid hat mit den Kindern und Jugendlichen musiziert. Das war für die Schüler und die Lehrpersonen neu, hat der Schule umgekehrt den Impuls gegeben, auch Musiktherapie ins Angebot aufzunehmen. Monika Schmid ist Pfarreibeauftragte in St. Martin in Illnau-Effretikon im Kanton Zürich und pflegt mit der Pfarrei weiterhin einen direkten Kontakt zur Schule in Beit Sahour.

Angebote auch für Mütter und Väter

Zum Unterricht und Therapie hat die Schule ihre Tätigkeit auf die Unterstützung von Eltern ausgeweitet. Mütter und Väter kämen aufgrund ihrer Erlebnisse genauso an Grenzen wie die Kinder, so der Direktor. Regelmässige Treffen sollen Frauen dabei unterstützen, mit dem Druck, dem sie in der Grossfamilie ausgesetzt sind, umzugehen. Im Austausch untereinander und mit den anwesenden Sozialarbeiterinnen können Probleme und Herausforderungen des Alltags besprochen und Lösungen gefunden werden.

Sich Zeit nehmen für sich selbst und damit sich und der Familie etwas Gutes tun. Das «Holy Child Program» war nach eigenen Angaben die erste Einrichtung, die Müttergruppen organisierte. Die Teilnehmerinnen nehmen aber nicht nur Hilfestellungen für sich selbst mit. Sie tragen ihre Erkenntnisse auch in ihre Stadtteile und Dörfer und werden zu Auskunftspersonen für andere Mütter. Die Ehemänner hätten zwar erst Vorbehalte gezeigt, ist zu erfahren. Doch die Erfolge haben sich herumgesprochen. – Und in Nablus wurde bereits eine Vätergruppe gegründet.

© Katholisches Medienzentrum, 02.01.2017
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Am 10.04.2017 wurde auf Radio Life Channel folgender Beitrag zum Holy Child Programm ausgestrahlt: Hier gelangen Sie zur Adiodatei

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